Der Americas Cup als Innovationsschmiede

Kategorie: Sport

Von: Christian Trapp

,  23. Februar 2016

Die bekannteste und älteste Segelregatta der Welt wurde das erste Mal 1851 vor der Isle of Wight gesegelt und fand ihren Höhepunkt mit der letzten Austragung vor San Francisco im Jahr 2013.

 

Es ist vor allem eine Geschichte sehr vermögender Mitglieder der internationalen Segelgemeinde, ein zuweilen verbittert geführter Kampf um Prestige und Anerkennung. Aber ohne diese Leidenschaft auch beträchtliche Summen zu investieren, wäre der Cup nicht das geworden, was er heute ist, ein Pool für neue Techniken, erprobt und getestet von den besten Seglern der Welt.

 

Nicht umsonst haben die Protagonisten der letzten Rennen versucht, dem Rennen ein ganz spezielles eigenes Branding zu geben, ähnlich der Formel 1 im Motorsport, der Americas Cup sollte die Formel 1 des Segelsports werden.

 

Um nur ansatzweise diesem Anspruch gerecht zu werden, war einer der Hauptnachteile eine Segelregatta zu präsentieren, die mangelnde Zuschauerpräsenz. Die Rennen spielten sich in der Vergangenheit weit vor der Küste ab und konnten, wenn überhaupt nur auf eigenem oder gemieteten Rumpf beobachtet werden. So wurde der Austragungsort der aktuell letzten Regatta bewusst in die San Francisco-Bay verlegt und mit einem noch nie dagewesenen Aufwand an begleitender Reportage visuell in Szene gesetzt. Neben Bildern von Helikoptern und Drohnen versetzten vor allem die Bilder der Onboardkameras die Zuschauer an den heimischen Bildschirmen in ehrfürchtiges Staunen. Durch aktuelle GPS-Daten, die live in eine graphische Darstellung des aktuellen Rennstatus übertragen wurden, war das Rennen nun auch für Nichtregattasegler interessant und nachvollziehbar.

 

Diese Liveberichterstattung auf einem völlig neuen Niveau mit einem ungeheuren technischen Aufwand ist nicht zuletzt dem Unternehmer Larry Ellison, Gründer und Mehrheitsaktionär der Softwarefirma Oracle zu verdanken, dessen Anliegen es war, den etwas verstaubten und elitären Altherrensport zu befreien und in eine neue Ära zu führen. Das dürfte ihm sicherlich gelungen sein, elitär ist das Ganze zwar immer noch, und Freunde hat sich Larry Ellison mit seinen teils doch recht rabiaten Methoden auch nicht gemacht. Er hat jedoch einen Innovationsschub ausgelöst,

der noch lange nachwirkt.

 

Dabei ist das Segeln auf Foils nur die offensichtlichste und radikalste Neuerung. Ein Foil funktioniert wir der Flügel eines Flugzeugs. Bei genügender Geschwindigkeit erzeugt es Auftrieb, so dass die Bootsrümpfe aus dem Wasser gehoben werden. Dadurch verringert sich der Widerstand im Wasser und die Bootsgeschwindigkeit erhöht sich. Im Rennen vor San Francisco wurden teilweise über 40 kn (also über 80 km/h) gemessen.

 

Die Technik hat seit dem Rennen 2013 in vielen Bootstypen, vor allen Regattaklassen und Mehrrumpfbooten Verbreitung gefunden, aber auch in den Segelalltag hält diese Technik nun Einzug. Zuletzt wurde ein foilendes Kielboot, die Quant 23, mit dem Innovationspreis im Rahmen der Wahl von Europas Yacht des Jahres 2016 gewählt.

 

Das nächste Rennen des Americas Cup ist für 2017 geplant und findet auf den Bahamas statt. Die besten Segler mit den besten Teams haben gemeldet. Das Training und die Vorrennen laufen bereits. Es bleibt spannend, welch neue Techniken noch im Rahmen dieser ältesten Segelregatta der Welt erfunden, getestet und anschließend in den Segelalltag überführt werden.


Fotos © litchi cyril / Fotolia.com sowie © Michael Hahn / Fotolia.com


Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen
*


*
*