Tradition und Maß - Königliche Hochzeit in London

Kategorie: Lifestyle

Von: Dr. Larry Steindler

,  05. Mai 2011

Lange erwartet, jetzt ist es geschehen: In würdevoller Atmosphäre des Westminster Abbey heiraten Prinz William und Catherine Middleton am 29. Mai 2011.

Weit unter 30, also in einem Alter, das dem Geist der heute sicher für beide Geschlechter geltenden biblischen Ratschläge „an der Frau deiner Jugend handle nicht treulos“ („Maleachi“ 2,15) und „freue dich der Frau deiner Jugend“ („Sprüche“ 5,18) wahrhaft entspricht, haben Prinz William und Kate die Zeremonien fröhlich gestaltet und mit ihrer natürlichen Ausstrahlung die Herzen von Millionen von Zuschauern bewegt.

 

Aber nicht nur das Lebensalter war gut gewählt, sondern auch das Datum am Ende der Ostermontagswoche, einen Tag vor dem Koninginnedag, Nationalfeiertag in den Niederlanden, und ebenfalls einen Tag vor dem Geburtstag des Königs von Schweden Carl XVI. Gustav, der am 30. Mai 65 Jahre alt geworden ist. Seine Tochter Prinzessin Victoria und ihr Ehemann Prinz Daniel, deren Hochzeit im Vorjahr die Menschen in aller Welt rührte, waren am Tag zuvor ebenfalls in London, um am Festakt ihrer britischen Adelsgenossen teilzunehmen.

 

Bedeutung und Symbolik werden an einem Hochzeitstag und besonders an einem solchen königlichen Fest groß geschrieben. Dem Wunsch nach Perfektion war es nicht einmal gleichgültig, aus welchem Gold der Ehering besteht: Queen Elizabeth II schenkte ihrem Enkel William für die Heirat einen Ring aus Familienbesitz, vom dem bekannt ist, dass er aus seltenem walisischen Gold besteht, und entsprach damit einer alten Tradition des Königshauses. Die Queen selbst trug zu ihrem kanariengelben Mantel den True Lovers Knot Brooch ihrer Großmutter Queen Mary, die Brosche der Ehefrau von King George V. Die hübsche Diamantschleife ist als Liebesknoten mit wellenfömigen Bändern gearbeitet, ein wunderbares Motiv und Symbol anlässlich der Hochzeit des Enkels.

 

Seine rote, seit drei Jahren mit dem breiten Streifen des berühmten Hosenbandordens geschmückte Gardeuniform unterstrich die festliche Fröhlichkeit und korrespondierte mit der ebenfalls roten Uniform seines hochdekorierten Großvaters Prinz Philip Mountbatten, u.a. Großadmiral der Britischen Marine. - Der junge Bräutigam ist von der Queen erst kürzlich befördert worden: zum Ehrenoberst der Irish Guards, die zu den Leibregimentern der Königin gehören und normaler Weise an ihren hohen Fellmützen zu erkennen sind. Gegenwärtig ist Prinz William Hubschrauber-Rettungsflieger in Wales und stellt die dienende Funktion einer königlichen Hoheit täglich unter Beweis. Privat ist er ein hervorragender Motorradfahrer, der sich vor einem Jahr eine harte, über 1600 km lange Motorradsafari in Südafrika zumutete. Außerdem spielt William gerne Fußball.

 

Auch Braut Catherine, durch die Heirat inzwischen Herzogin von Cambridge, bewies Individualität: schon am Tag nach der Hochzeit wurde die Hochzeitsrobe der Expertin in Modefragen zur Legende. Sarah Mower vom Vogue hebt hervor, dass es sich dabei um das ungemein moderne Ergebnis einer persönlicher Zusammenarbeit zwischen Designerin Sarah Burton und der Braut handelt. Die äußerst geschmackvoll wirkende Silhouette war mit einem Optimum an Beweglichkeit verbunden, die zu einem eleganten Ausstieg aus dem 1977er Rolls Royce Phantom VI verhalf. Der weitere Weg zur Kathedrale wurde durch die geschickte Brautjungfer, Schwester und Trauzeugin Philippa Middleton unterstützt.

 

Der an der Kante mit Blumenmotiven handbestickte Seidenschleier ist eine Arbeit des Royal School of Needlework und wurde von der "halo"-Tiara der Queen gehalten. Die von der Königinmutter zum 18jährigen Geburtstag von Elisabeth geschenkte Tiara ist eine Arbeit aus dem Hause Cartier.

 

Selbst an diesem kleinen, aber bedeutsamen Objekt ist zu erkennen, dass sich der Begriff Wert letztlich nicht in noch so wertvollen oder prächtigen materiellen Dingen erschöpft, sondern eher auf Gesten, guten Wünschen, menschliche Klugheit und Mitgefühl bezieht. Sämtliche Geschenke zu dieser Hochzeit wurden daher Monate vor dem Ereignis für wohltätige Zwecke bestimmt. Die Royal Wedding Charity Fund von William und Kate hat mit George Michaels romantischem Song „You and I“ auch gleich einen populären Spender gefunden, der sein Musikgeschenk im Internet millionenfach weiter verteilt. Doch sei dabei zugleich an die schöne Musik und großartigen Chöre während der Trauung in der Westminster Abbey erinnert.

 

Überhaupt lebte diese Hochzeit von der wunderbaren Spannung zwischen Exklusivität und Volkstümlichkeit. Ob die enormen Erwartungen von Medien und Öffentlichkeit, die Sicherheit im rechten Zelebrieren des Königshauses oder die Tradition des Hochzeits­zeremoniells selbst dazu beitrugen, ist dabei nicht wesentlich. Vielmehr dominierten bei aller Etikette offensichtlich viel Spaß und Freude, etwas das jedermann bewegt – also auch Millionen von mitfühlenden Menschen. Wollen wir hoffen, dass auch die bald anstehende Hochzeit im Fürstentum Monaco zwischen Charlene und Albert die Gemüter ähnlich beleben wird!


Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen
*


*
*