Für verborgene Freuden - Korkenzieher

Kategorie: Lifestyle

Von: Dr. Larry Steindler

,  25. Dezember 2008

Seit fast 150 Jahren gibt es bereits Korkenzieher zu kaufen, und bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren bereits 300 Patente angemeldet. Billionaires.ch ist einigen Fragen zum Thema Korkenzieher auf den Grund gegangen.

Ein Gegenstand, der zu manchem edlen Tropfen den Zugang eröffnet, hat natürlich eine "Seele" - so wird der durch den Spiralkörper gebildete Hohlraum bei einem der Hauptmodelltypen genannt. Hat der Korkenzieher ein Außen- oder Scharfgewinde wie eine Holzschraube, so sitzt anstelle der "Seele" in der Spiralmitte nur kaltes Metall.

Das Scharfgewinde hat den Vorteil, dass sich der Korkenzieher sehr leicht in den Korken bohren lässt. Bei alten, teilweise durchtränkten Korken oft die einzige Rettung vor Korkenbruch beim Ziehen. "Seelen-Modelle" sind dagegen Meister der Stabilität beim Herausziehen. Kein Wunder, dass Hebelmodelle häufig spiralförmig sind, wie das 1979 entwickelte, teflonbeschichtete Modell Screwpull® von LE CREUSET, das längst seinen Platz in den Designmuseen der Welt eingenommen hat.

In der Frühphase der Entwicklung hat nicht nur der Weinkonsum den Erfindergeist angeregt, sondern auch militärische Anwendungen wie z.B. das Entfernen von Pfropfen aus alten Vorderladern. Historisch gesehen, ist der Korkenzieher aus dem Fassbohrer entstanden. Dieser war jedoch monströs. Zierliche Korkenzieher für Flaschen werden erst seit dem frühen 18. Jahrhundert produziert. Seitdem erwachte der Bedarf an langer Lagerung und weitem Transport von entsprechend dichten Weinflaschen.

Frühzeitig haben sich verschiede¬ne Haupttechniken oder Systeme, wie Stangen-, Hebel- und Drehkorkenzieher herausgebildet. Stangenkorkenzieher bedeutet die Verbindung von Gewinde oder Spirale mit einem länglichen Griff, der manchmal aus Metall besteht und - für das Mitnehmen ohne Verletzungsgefahr - auch zum Klappen oder Ineinanderstecken ausgeführt sein kann.

Aus Holz gedrechselte Griffe haben auf einer der Seiten manchmal einen Pinsel zum Reinigen der Flasche vor dem Eingießen des Weines. Am sog. "Kellnerbesteck" dient einer der beiden herunter gekippten Griff-Enden zum Ansetzen am Flaschenrand. Moderne Modelle lassen sich zur Verbesserung der Hebelwirkung zweistufig herunterkippen und haben häufig eine Aussparung, die den Korkenzieher zum Kapselöffner degradiert. Sehr praktisch ist auch das integrierte Klappmesser zum Entfernen des Folienmantels am Flaschenhals

Federkorkenzieher - mechanisch gesehen eine Unterart der Stangenkorkenzieher - haben zwei Dornen oder Bügel, die auf¬grund ihrer paarigen Anordnung zwischen Flaschenhals und Korken geschoben werden. Im Gegensatz zum Stangenkorkenzieher erfolgt die Drehbewegung erst beim Herausziehen. Für das Wiederverkorken ist dieses System besonders gut geeignet. Federkorkenzieher sind von den anderen Typen längst verdrängt worden. Aber Hunter & Hilsberg bieten immer noch ein preiswertes Modell unter dem Namen "Grün & Gold".

Modelle, die die Spirale mit einer zylindrisch geformten Haube umgeben, erleichtern das zentrale ansetzen auf die Flasche. Die künstlerische Gestaltung ist dabei phantasievoll: beweg¬liche Vogelschwingen oder Frauenarme. Es gibt auch erotische Klappmodelle strammen Herrenbeinen. Wer öfter auf Antikmärkte geht, kennt die Ausführungen in Emaille oder Tulasilber, die trikotgestreifte Beinkleider der Turnvaterepoche wunderschön zur Geltung bringen.

Als Alternative zu diesen Flügelmodellen existiert ein Typ, bei der ein gegenläufiges zusätz¬liches Gewinde am Schaft oder ein ähnlicher Mechanismus dafür sorgen, dass sich der Korken durch einfaches Weiterdrehen sukzessive herausdrehen lässt. Bei Pumpmodellen wird dagegen Luft in die Flasche gedrückt. Sie wirken durch Gegendruck. Das Modell "Corky" ist daumenbetrieben, sieht auch aus wie eine kleine Luftpumpe. "Aeropull" dient nach dem Entkorken zugleich als Vakuumverschluss, um den entkorkten Wein weniger schnell oxydieren zu lassen.

Der Typologie wegen ist auch der inzwischen antik wirkende metallische Gliederkorkenzieher zu erwähnen. Bei diesem wurde die Zugkraft zwar durch rautenförmige Elemente reduziert, die Gesamtkonstruktion war aber sehr labil.

Im professionellen Einsatz in Bars und Esslokalen oder bei Weinproben finden wir häufig Tischgeräte, bei denen das Prinzip der Hebellösung durch längere Griffe auf die Spitze getrieben wird. Bekannt ist das Modell "Castro", das aus verchromtem Metall mit messinggelagerter Laufbuchse besteht, über zwei Kilo wiegt, aber den ultimativen Blickfang in Küche, Esszimmer und Weinstube bietet. Das Arrangement hat insgesamt etwas Militärisches, erinnert auch ein wenig an die Espressomaschinen mit Druckhebel.

Die USA wurden bei diesen auf¬wendigen mechanischen Modellen übrigens sowohl in Bezug auf Patentierung als auch hinsichtlich der Stückzahlen schnell führend. Aber England gilt als Mutterland der metallischen Korkenzieher.

Die Gestaltungen wurden sehr frühzeitig so bunt und vielfältig, wie die Kenntnisse der Mechanik, die Ergonomie der menschlichen Hand, die Herstellungstechniken und der Zeitgeschmack es zuließen. Als Gegenstände des täglichen Bedarfs binden Korkenzieher die Aufmerksamkeit, denn sie vereinen Nützliches und Erfreuliches wie kaum etwas anderes. Alte Korkenzieher sind daher - beinahe wie alte Weine - Kultobjekte. Dem entspricht auch ein großes Sammelinteresse, das u.a. in Auktionen zum Ausdruck kommt. Hoffentlich besitzen auch Sie wenigstens ein Modell ganz nach Ihrem Geschmack - und wenn es nur für das Fläschchen am Wochenende ist!


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